Maria

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm seidenen Faden

Maria schien wie ein normales Romamädchen. In einer von uns betreuten Siedlung lebte sie mit ihren Eltern und dem Zwillingsbruder in einer ärmlichen Hütte, ohne fließendes Wasser oder Strom. Im Sommer 2011 wurden wir darauf aufmerksam, dass sie nicht zur Schule ging. Bei genauerem Nachfragen fanden wir heraus, dass sie unter schweren gesundheitlichen Problemen litt. Während wir noch versuchten, die Situation genauer abzuklären, überschlugen sich plötzlich die Ereignisse. Dies ist Marias Geschichte.

Am 25.10.2011 wird Maria in das Kreiskrankenhaus Gheorgheni eingeliefert und 5 Tage später in die Notfallklinik von Targu Mures verlegt. Es liegt ein akuter Darmverschluss vor. Mehrere Notoperationen retten ihr vorerst das Leben. Ihr Zustand bleibt jedoch äußerst schlecht. Im Bauchraum wird eine schwere Infektion, sowie Abszesse in Darm, Niere und Lunge festgestellt. Ihre Situation verschlechtert sich zusehends, sie verliert dramatisch an Gewicht, bis sie mit ihren 8 Jahren nur noch knapp 13 kg wiegt. Als wir von einem nächtlichen Herz- und Atemstillstand erfahren, haben wir kaum noch Hoffnung. Nachdem die Infektion auch noch auf die Lunge übergreift, verlieren auch die rumänischen Ärzte alle Hoffnung. Wir wissen nun, dass sie in Rumänien keine Überlebenschance mehr hat und entscheiden uns, die Kleine schnellstmöglich mit einem Ambulanzflug nach Deutschland zu holen.

Am 30.11.2011 war es endlich soweit: Maria wurde nach einigen Komplikationen zum Flugplatz Siegerland geflogen und kam am Abend in der Uniklinik Marburg an. Während Maria auf der Intensivstation stabilisiert wurde und durch spezielle Ernährung wieder an Kraft gewann, lief die Diagnostik durch ein interdisziplinäres Ärzteteam auf Hochtouren. Wenige Tage später konnte die erste Operation durchgeführt werden. Während der rund 9-stündigen OP wurde sie zunächst an der Lunge operiert, da deren Infektion die größte Bedrohung darstellte. Nach diesem schweren Eingriff lag sie beatmet im Koma und wir konnten nur beten und abwarten, ob ihr geschundener Körper die Kraft finden würde, sich zu erholen.

Einen Tag vor Weihnachten dann die Entwarnung. Wir durften Maria besuchen. Die operierte Lungenhälfte arbeitete wieder eigenständig, sie konnte selbst atmen und war wach. Das Schlimmste war überstanden. Unsere Maria ist eben eine Kämpfernatur. Allen Beteiligten fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Ein schöneres Weihnachtsgeschenk hätte es nicht geben können!

Happy End!

Was hat Maria in diesen ersten Wochen in Deutschland nicht alles durchlitten: Schmerzen, Angst, die Trennung von der Mutter und ihrem geliebten Zwillingsbruder David. Wochenlang lag sie auf der Intensivstation in einem Land, dessen Sprache sie nicht verstand. Das sind traumatische Erfahrungen, doch sie steckte alles erstaunlich gut weg und fand bald ihr zartes Lächeln wieder. Ein besonderer Tag war ihr Geburtstag im Januar, an dem sie ihre ganze Familie in die Arme schließen durfte. Was für ein Tag!
Maria war nun außer Lebensgefahr, dennoch war ihr junger Körper von den Strapazen schwer gezeichnet. Durch den künstlichen Darmausgang konnte sie sich frei bewegen, doch nach Hause durfte sie noch nicht. Eine Wohnung in Schlüchtern stellte die ideale Übergangslösung dar, um sich zu erholen und neue Kraft zu sammeln. Dadurch gewannen wir Zeit, gemeinsam mit Marias Eltern zu überlegen, wie die Zukunft der Familie aussehen könnte. Wir alle spürten, dass Maria ein besonderes Mädchen ist und hier eine einmalige Chance bestand. So beschlossen wir, eine neue Lebensperspektive zu entwickeln.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ende November 2012 bezog Familie Sandor ein Häuschen in Gheorgheni, unser erstes in der Stadt. Nun gehen Maria und David zur Schule, spielen mit Freunden, haben Haustiere und besuchen die Sonntagsschule der örtlichen Baptistengemeinde. Ab Februar 2013 stellen wir Marias Vater in unserem neuen Lager in Gheorgheni an.
Die Abwicklung und Betreuung von Maria als Sorgenkind hat bisher rund 60.000 Euro gekostet. Als wir uns entschieden, sie nach Deutschland zu holen, war davon noch nichts da. Möglich wurde alles durch die unfassbare Menge an Spenden und Unterstützern, die sich während der ganzen Zeit an unsere und Marias Seite stellten.
Manchmal werden wir gefragt, ob man das Geld nicht besser für etwas anderes hätte ausgeben können. Aber was ist denn ein Menschenleben wert, wenn man es dann auf dem Schoß sitzen hat?

Viele haben Anteil an ihrem neuen Leben. Danke: Dem Malteser Rückholdienst, für den Ambulanzflug, Herrn Dr. Zovko und dem Team der Uniklinik Marburg, für die erstklassige medizinische Behandlung, Herrn Yalcin Mat und seinen Mitarbeitern, für die unentgeltliche Versorgung des künstlichen Darmausgangs, der C3 Church in Hanau, für die großzügige Spende von 11.500 Euro für das neue Haus in Gheorgheni. Darüberhinaus den vielen Firmen- und Einzelspendern, Facebook-Fans… Ihr sollt wissen, dass Ihr für uns wie für Maria Unschätzbares geleistet habt. Danke!