Tourtagebuch 2017 Teil 5

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Tourtagebuch Teil 5 

Donnerstag

Gedichte, Schweigen, Abschied

Schon beim morgendlichen Besprechen wird klar: dies ist unser letzter voller Tag hier in Ruänien. Was erwartet uns heute?

Auf dem Weg nach Balan gibt es noch einen Stopp bei Valea Stramba. Eine zerfallene 2 ½ Häuser Siedlung 100 Meter von der Strasse. Täglich haben wir diese Stelle passiert mit den Worten: „Ist Licht zu sehen? Spielen da Kinder draußen? Hängt dort Wäsche? Lebt da eigentlich jemand?“ Am Tag zuvor waren wir bereits bei den Hütten, allerdings war nur eine Familie da, die andere unterwegs. Daher avisierten wir uns (und vor allem die Geschenke) für den nächsten Tag. Auf unser Hupen regt sich jedoch noch nichts, Bernd findet seinen Weg zu den Behausungen und bringt starke Helfer mit zum Bus. Im Anhänger warten bereits gezielt mitgenommene Essenspakete, Decken, Stiefel, Jacken, Handschuhe und Kerzen auf dankbare Abnehmer.

Ein Höhepunkt ist auf dieser Tour immer auch der Besuch unseres eigenen Kindergartens „Kindernestchen“. Obwohl wir alle Kinder bereits am Vortag in der Kulturhalle gesehen haben, sind sie dennoch gespannt auf uns.

Im Kindergarten ist alles festlich dekoriert, die Eltern sind bereits anwesend und auch wir als Team aus Deutschland nehmen unsere Plätze ein. Nun werden die Kinder zusammen hereingeführt. Einige Kinder haben kleine Weihnachtsgedichte eingeübt und auch gemeinsame Weihnachtslieder werden gesungen. Die anschließende „Bescherung“ ist hier geprägt von Ruhe, ausreichend persönlichem Augenkontakt und Geduld, weil die Päckchen noch nicht ausgepackt werden. Nachdem diese den Eltern übergeben wurden, gibt es ein altersgerechtes kaltes Buffet für Kinder zu Weihnachten: ein ganzer Tisch voller Schokolade und Kekse. Außergewöhnlich diszipliniert stehen alle Kinder um diese Tische herum und bedienen sich (ja auch Vorrat wird in den Hosentaschen verstaut). Ich weiß nicht, wie das in Deutschland laufen würde, wenn ein Glas Nutella schon zu Ausschreitungen führt. Da die Kinder nun ausreichend beschäftigt sind, nutzen wir die Gelegenheit, mit Eltern und den Erzieherinnen zu sprechen.

Wie abgestimmt treffen wir bei der Sporthalle anschließend auf Verena, einer Schweizerin, die sich in Tirgu Mures um Roma-Familien kümmert. Sie holt für ihre Projekte Päckchen und Decken ab und verteilt diese in der Stadt. Als langjährige Mitstreiterin mit dem gleichen Anliegen wie Bernd ist dies ein Hilfswerk-Freundschaftsdienst, der gerne und dankbar angenommen wird.

Es bleiben an diesem Tag noch mehrere Besuche von Patenkindern offen. Zuvor jedoch machen wir Halt in Sandominic, um den mindestens emotionalen Start eines neuen „Wendepunkt- bzw. Sorgenkind-Projektes“ mitzuerleben. Wir besuchen Ranka, ein Mädchen, das wir durch Zufall einige Tage zuvor auf einem Pferdeanhänger gesehen haben, und ihre Familie. Wir alle können uns ein genaues Bild von der Situation machen und selbst erfahrene Mitarbeiter wie Bernd und Lori werden still angesichts der extremen Not dieser Familie und überlegen bereits nächste umsetzbare Schritte, um diese Not zu lindern und zu wenden. (Mehr Infos zur Not der Familie und wie Ihr helfen könnt, folgen in den kommenden Wochen). Die Familie selbst empfängt uns mit Freude und Wohlwollen ohne große Erwartung (und wir haben ausreichend Situationen miterlebt, wo das Meckern groß war). Die Kinder reagieren auf uns mit Offenheit und die Eltern sprechen mit Bernd über ihre Situation. Ich weiß nicht, ob ich in einer solchen Notlage immer noch so entspannt reagieren würde. Ich denke über die vielen Situationen nach, in denen ich mich aufrege, wenn das Handy keinen Empfang hat oder die Fernbedienung des Fernsehers nicht funktioniert. Lächerlich im Gegensatz zur hier angetroffenen Situation. Diese Begegnung hat uns alle tief berührt. Jeder denkt auf seine Weise darüber nach, was er zur Veränderung beitragen kann.

Es warten noch weitere Besuche bei Patenschaftsfamilien auf uns, um am Abend das traditionelle Abschlussessen zu genießen. Im Restaurant „Karpatia“ treffen sich alle Helfer aus Rumänien inklusive der unterstützenden Polizisten, Helfer aus Deutschland und Erzieherinnen teilweise mit Partner, um einen feierlichen Ausklang zu erleben. In gemütlicher Runde und mit einem Überraschungsmenü entstehen noch viele Gespräche.

Geschafft und mit vielen Eindrücken sagen wir einander: „Auf Wiedersehen“ und das ist durchaus froh und ernst gemeint.

Frank Rütten für das Weihnachtspäckchen-Team 2017

 

Freitag:

Packen, Fahren, Dankeschön!

Den Besuch bei einem Patenkind haben wir uns noch für unseren letzten Tag aufgehoben. Auf dem Weg dorthin sahen wir zwei junge Männer mit einer Pferdekutsche. Ein paar Tage zuvor hatte Bernd einem von ihnen seine Winterstiefel versprochen. Erstaunlich, wie schnell sie die Kutsche an die Seite gelenkt haben, als sie uns entdeckten.

Nahezu zeitgleich: unseren Bus bzw. ihre Kutsche parken, aussteigen bzw. runterspringen, zu unserem Anhänger laufen: Stiefel verschenken bzw. entgegennehmen und sich freuen. Wobei: Gefreut haben sich sowohl der Schenker als auch der Beschenkte!

Das Patenkind hat noch geschlafen, als wir in die Hütte kamen. Natürlich haben wir dem Mädchen noch ein paar Minuten gegönnt, in denen es zu sich kommen konnte. Schließlich wollten wir ja dabei sein, als es die beiden großen Bananenkisten ausgepackt hat, die es in diesem Jahr von seinen Paten aus Deutschland bekommen hat. Puppe, Schal und Mütze hat es freudig behalten, Zahnbürste und Kerze kurzerhand an die Oma weitergegeben ;-)

Nach diesem Besuch ging es dann ans Kofferpacken: Unsere Zeit in Rumänien neigte sich dem Ende. Vor uns standen noch 23 Stunden Fahrt; in den 10 Tagen haben wir insgesamt stattliche 4.015 Kilometer zurückgelegt.

Und nun bleibt noch: Herzlich Danke zu sagen

Danke…

… für jedes einzelne Päckchen von Kindergärten, Schulen, Kirchengemeinden, Privatpersonen, Firmen, aus Deutschland, aus Luxemburg

… für Spender, die schon während des Jahres zum Beispiel mit Kaffee- und Kuchenverkauf Geld für die Geschenke gesammelt haben

… für kleine und große Aktionen, so zum Beispiel Claudia mit ihren Freundinnen und Freunden, Monika & Paul samt girls and boys

… der SumiRiko AVS Germany GmbH, Euroalpin Transport und Logistik für die Unterstützung und Durchführung der Transporte

http://www.avs.sumiriko.com/de

http://euroalpin.com/

… den Sammelstellen sowie Multiplikatoren und allen, die vom Kunterbunten Kinderzelt erzählt und geschrieben haben

… der Metzgerei Robert Müller, Frucht Hartmann in Fulda, dm-drogerie markt in Wächtersbach, dem Gewerbeverein Hattersheim, Globus in Hattersheim und der Globus-Stiftung

http://www.metzgerei-robert-mueller.de/

http://www.fruchthartmann.de/

http://www.gewerbeverein-hattersheim.de/

http://www.globus.de/de/maerkte/hattersheim/

http://www.globus-stiftung.de/

… Petra für die wunderschön warmen Schals in Kinderzelt-Farben

… allen Strick- und Häkelfrauen für Schals, Mützen, Handschuhe, Socken und Häkeldecken

… allen, die uns mit Wolldecken sowie Gummistiefeln unterstützt haben

… allen, die uns spezielle Lebensmittelpakete mit auf den Weg gegeben haben

… allen „vor und hinter den Kulissen”

… allen, die uns bei der Verteilung geholfen haben

… allen fleißigen Helferinnen und Helfern in Deutschland und in Rumänien

… allen, die uns mit Geldspenden unterstützt haben

… allen, die wir nun in dieser Auflistung womöglich doch vergessen haben

DANKE allen, die uns unterstützt und die Aktion verfolgt haben

Euer Weihnachtspäckchen-Team 2017

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Julia Druschel
Julia Druschel
Julia leitet die Kindertagesstätte "Kindernestchen" und lenkt die Tätigkeiten des Vereins über ihren Sitz im Vorstand.
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