Unser Tourtagebuch, Weihnachtspäckchentour 2016

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Tourtagebuch Teil 1

Auf nach Rumänien!bild-des-tages

Der Weihnachtspäckchen-LKW ist am Nikolaus-Tag gestartet, einer von vier LKWs, die innerhalb einer Woche Richtung Rumänien und Bulgarien losgefahren sind. Und viele Hilfsgüter waren auch im Transport, wie zum Beispiel Gummistiefel, nachdem wir letztes Jahr erlebt haben, wie matschig die Straßen in Gheorgheni sind, wenn der Boden nicht mehr gefroren ist.
Wir sind dann am Freitag gestartet. Ach ja: Wir, das sind Bernd, Birgit, Sabine, Alina, Elmar und Matthias.

Los ging es um 18:11 Uhr, diesmal nicht ganz so schwer beladen wie bei den letzten Fahrten, weshalb wir sehr gut vorangekommen sind. Sabine, Matthias und Bernd haben uns als unser Fahrer-Team sicher durch Deutschland, Österreich, Ungarn und Rumänien gebracht.

Nachdem wir Samstagvormittag dann endlich die Grenze nach Rumänien überquert hatten, fiel uns natürlich beim Stichwort Oradea sofort Marcu ein! Marcu ist eines unserer Sorgenkinder. Der Romajunge, einer von zehn Geschwistern, hat durch eine Krebserkrankung schon in früher Kindheit einen Teil seines Beines verloren und wird schon länger von uns betreut.

Nach zunächst erfolgloser Kontaktaufnahme mussten wir uns dann durch einige Seitenstraßen in Oradea kämpfen, da sich niemand mehr so ganz genau erinnern konnte, welches der vielen kleinen Häuser das von Marcus Familie war. Wir sind, natürlich nicht ganz unauffällig, durch die vielen kleinen Gassen gefahren, mit zum Teil waghalsigen Rangiermanövern, und erregten so bei einigen Anwohnern Aufmerksamkeit. Zum Glück konnte uns ein Anwohner weiterhelfen und so haben wir dann doch noch die Familie gefunden.

Nach und nach trudelten schließlich alle 10 Kinder ein und wir durften dann schon die ersten Päckchen verteilen, die wir im Bus und Anhänger transportiert hatten. Ein schöner Auftakt für die Tour, besonders für Sabine, Elmar und Alina, die zum ersten Mal mit den Weihnachtspäckchen auf Reisen sind.

Nach vielen weiteren Stunden zusammengekuschelt im Bus kamen wir dann auch in Gheorgheni an. Ganz im Dunkeln und ziemlich erschöpft haben wir dann unsere Sachen ausgeladen und in den 4. Stock der Wohnung befördert, die wir für die nächste Woche in Beschlag genommen haben. Müde und glücklich sind dann alle in ihre Betten gefallen und in Erwartung auf die kommenden Abenteuer eingeschlafen.

Der nächste Tag begann gemütlich mit einem gemeinsamen Frühstück und dann ging es direkt nach Balan in die Turnhalle, wo schon die großen Karton mit den Weihnachtspäckchen zum Auspacken auf uns warteten. Gemeinsam mit vielen fleißigen Helfern haben wir die Pakete sortiert und durften gegen Ende des Tages endlich auch Päckchen verteilen: Ganz besondere Momente verbrachten wir dabei mit den Patenkindern bei der Übergabe der persönlichen Geschenke ihrer deutschen Paten. Die Kids haben uns viel erzählt und sich sehr über die Pakete gefreut. Es gab auch Tränen, und zwar von der Mutter eines Patenkindes, die von ihrer schweren Situation erzählte und uns ihre Sorgen und Nöte schilderte. Es war eine sehr emotionale Angelegenheit für uns alle und umso schöner war es für uns, als wir ihre Tränen in Freudentränen verwandeln konnten, durch ein paar Geschenke und für uns alltägliche Dinge wie Decken und warme Kleidung.

Diese Momente sind schwer und auch belastend, wenn man die Schicksale dieser Menschen vor Augen hat. Aber genau deswegen sind wir hier und die Hilfe die wir leisten, bereitet anderen eine unbezahlbare Freude. Wir haben heute stolz das Motto des kunterbunten Kinderzeltes erfüllt, indem wir Freude bereitet haben und Not begegnet sind. Wir freuen uns auf viele weitere ereignisreiche Tage hier in Rumänien. Dieses Jahr ist ja auch alles anders! Es soll sogar einen Weihnachtsmarkt geben, munkelt man. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Euer Weihnachtspäckchen-Team 2016

 

 

 

 

Tourtagebuch Teil 2

 

Kalte Füße, warme Herzen

Bereits den zweiten und dritten Tag in Rumänien haben bild-des-tageswir erfolgreich gemeistert. Begonnen haben wir damit, dass wir Busse, Autos und Anhänger mit 877 Weihnachtspäckchen und weiteren Hilfsgütern beladen haben und uns in die zwei größten Romasiedlungen in Gheorgheni aufgemacht haben. Als der Kinderzeltbus angerollt kam, wurden wir von vor Freude tanzenden Kindern empfangen und bahnten uns unseren Weg bis zu dem Hof, in dem wir dann die Päckchen ausladen konnten. Auch an diesem Tag wurden wir wieder tatkräftig unterstützt und konnten in jede Hütte Weihnachtspäckchen und Decken bringen. Überall war eine große Freude vorherrschend und man hat deutlich gemerkt, dass die Bewohner der Siedlungen uns schon sehnsüchtig erwartet haben und aus den vergangenen Jahren genau wussten, wie alles ablaufen wird. Trotz der Sprachbarriere hatten wir viel Spaß mit den Kindern und haben gelacht und mit ihnen gescherzt. Viele große und kleine Kinder waren ständig um uns herum, allesamt sehr aufgeweckt und fröhlich. Da kann man es auch gerne verzeihen, wenn ein paar besonders freche kleine Kinder versuchen, ein zweites Päckchen zu ergattern, auch wenn sie mit der neuen Mütze aus ihrem Weihnachtspäckchen auf dem Kopf natürlich sofort aufgeflogen sind!

Nach und nach haben wir alle Familien besucht und schon wurde es auch dunkel. Das hat uns die Arbeit noch ein bisschen erschwert, denn die Wege zu den Hütten sind mit Schlamm bedeckt und hier und da liegen große Steine, Zweige oder auch mal eine halbe Treppe. Ab und zu stolpert man auch über einen Hund, aber diese haben sich meistens schnell verzogen. Dennoch muss man, mit Päckchen bis unter die Nase gestapelt, natürlich aufpassen, nicht zu stolpern. Hierbei waren sehr viele Taschenlampen im Einsatz, denn es wurde ziemlich schnell stockdunkel und wir waren noch lange nicht am Ende angelangt. Mit vereinten Kräften und ein klein wenig Durcheinander ist es uns dann gelungen, alle Familien zu versorgen und natürlich auch viele Fotos zu machen.

Ein besonderes Highlight war der Besuch bei Ciprians Familie, denn er befindet sich aktuell als Sorgenkind in Deutschland. Er wurde bereits an seinen Händen operiert, um ihm mehr Bewegungsmöglichkeiten zu schenken, die er aufgrund einer angeborenen Fehlbildung bisher nicht hatte. Seine Mutter hatte bei unserem Besuch Tränen in den Augen, denn sie weiß, was für ihren kleinen Sohn vom kunterbunten Kinderzelt ermöglicht wird. Sie hat uns besonders herzlich empfangen und auch Ciprians beiden kleinen Geschwister haben sich über ihre Weihnachtspäckchen gefreut, die natürlich nur ein schwacher Trost für die Abwesenheit ihres Bruders sind.

Müde, abgekämpft und ziemlich dreckig mussten wir uns dann verabschieden, damit wir auch am nächsten Tag noch Familien besuchen können.

Während wir zu Abend gegessen und uns von den Strapazen erholt haben, hat es schon kräftig draußen geschneit.

Am nächsten Morgen kamen wir raus in den Schnee und bereiteten den zweiten Teil unserer Tour in die Romasiedlungen vor. Im Bus mussten wir dann leider feststellen, dass die Heizung kurzfristig ausgefallen ist. Doch da es sich nur um einen Wackelkontakt gehandelt hatte, war das Problem schnell behoben. Über Nacht sind die Temperaturen stark gesunken und wir haben uns bei bis zu – 16 Grad wieder an die Arbeit gemacht, von Haus zu Haus zu gehen und die Familien zu besuchen. Besonders Bernd hat darauf bestanden, dass der Temperatursturz erwähnt wird, vermutlich friert er aber nur deshalb so, weil er seine Mützen so gerne an die Kinder verschenkt.

Anders als gestern haben wir heute auch kleinere Aussiedlerhöfe der Roma besucht und hatten ein bisschen mehr Zeit für Gespräche und persönliche Eindrücke. Dennoch haben wir wieder viel geschafft und sind etliche Weihnachtspäckchen losgeworden. Es waren insgesamt zwar anstrengende, aber sehr friedliche Tage. Es gab keinen Streit und alles lief sehr gesittet ab. Selbst in den etwas raueren Gegenden war die Stimmung insgesamt sehr gut und wir konnten zusätzlich noch allerlei Hilfsgüter verteilen.

Ab morgen haben wir dann ein anderes Programm, denn es geht in Balan weiter. Die Kindergartenkinder des “Kindernestchens”, unseres Kindergartens in Balan, erwarten uns morgen, sowie weitere Besuche bei Patenkindern und deren Familien.

Wir hoffen, dass die reparierte Heizung im Bus den Minusgraden trotzt und wir morgen auch so erfolgreich wie heute weitermachen können.

Euer Weihnachtspäckchen-Team 2016

 

Tourtagebuch Teil 3

Bescherung in Kindergarten und Waisenheim

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Wie bereits angekündigt, haben wir am vierten Tag unseres Aufenthaltes unser “Kindernestchen” besucht, zur jährlichen Weihnachtsfeier und -päckchenübergabe. Wir wurden herzlich empfangen und die ca. 30 Kinder führten gemeinsam ein kleines Theaterstück auf, sangen und tanzten vor einem kleinen Publikum, bestehend aus Eltern, Kindergärtnerinnen und natürlich uns. Sogar der neue Bürgermeister schaute vorbei, der sich insgesamt sehr für unser Unterfangen interessiert, was eine schöne und neue Erfahrung für uns ist. Nachdem alle mit Plätzchen und Mandarinen versorgt waren, fand die Feier einen schönen Abschluss mit einer kleinen Ansprache von Bernd und ein paar Worten der Kindergärtnerinnen. Im Gegensatz zu den Vorjahren gab es kein klassisches Krippenspiel, aber auch der Spender des bunt geschmückten Weihnachtsbaumes wurde nicht explizit erwähnt. Nach diesem Entspannungs- und Unterhaltungsprogramm für uns ging es in Balan weiter mit den Besuchen der Patenkinder. Besonders rührend war die Reaktion von Andreea, die mit ihrem kleinen Bruder und der Oma, bei der sie leben, das Paket entgegengenommen haben. Beim Auspacken des Patengeschenks hat sie als erstes das beigelegte Bild ihrer Paten in den Händen gehalten, ohne den restlichen Inhalt zu beachten. Wir haben auch das ein oder andere Tränchen über ihre Wange rollen sehen und dass es sie so bewegt hat, hat auch uns gerührt. Obwohl die Eltern sich nicht um die Kinder kümmern und die Oma ihre Versorgung übernimmt, haben sie alle die Frage, ob sie Probleme haben oder etwas brauchen, verneint. In einfachsten Verhältnissen lebend war das einzige, was Andreeas Oma sich gewünscht hat, Gesundheit für die Familie. Wir haben die Kinder dann ihre Pakete in Ruhe auspacken lassen und konnten mit einem guten Gefühl und einer weiteren schönen Erfahrung auch die Wohnblocks in Balan als erledigt betrachten.

Gegen Abend haben wir uns dann aufgemacht nach Subcetate, einem Ort rund 30 Kilometer entfernt von Gheorgheni, in dem wir ein Kinderheim besucht haben. Der Kontakt zu dem Heim kam über Antonio, welcher als Patenkind in Balan zum Kinderzelt kam und vor ein paar Jahren dann aus seiner Familie in das Heim kam. Die Kinder haben gespannt auf uns gewartet und waren den ganzen Tag aufgeregt, weil wir doch recht spät erst bei ihnen ankamen. Dennoch war die Freude groß und sie haben gemeinsam für uns gesungen und anschließend die Päckchen entgegen genommen. Ein besonderes Highlight waren die von Andrea und ihren Freundinnen gesammelten Bettwäschen, von denen sich jedes Kind eines aussuchen durfte, und die Zimmer von einheitlich grünen oder gelben Decken in bunte Kinderzimmer verwandelt hat. Wir konnten den Kindern beim auspacken Gesellschaft leisten und wurden nach einer gemütlichen gemeinsamen Zeit herzlich verabschiedet, mit selbstgebastelten Karten und Geschenken aus Recyclingmaterial! Beeindruckend kreativ und liebevoll haben die Kinder unseren Besuch gestaltet und wir freuen uns schon darauf, sie nächstes Jahr wiedersehen zu können.

 

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Der nächste Tag brachte dann für uns in Balan das insgesamt größte Ereignis: die Übergabe der Weihnachtspäckchen an die Kindergarten- und Schulkinder aus Balan. Wir wurden im festlich dekorierten Kulturhaus empfangen. Gemeinsam mit unseren starken Helfern haben wir ca. 700 Päckchen aus den Autos ausgeladen und auf einer Bühne, vor einem riesigen Weihnachtsbaum gestapelt, dessen Spitze man gar nicht mehr sehen konnte hinter dem Vorhang. Vor der Halle mussten die Kinder einen Moment warten, zusammen mit ihren Eltern und uns, als es nach einer kleinen Aufführung mit Trommeln und verkleideten Kindern dann nach und nach in die Halle ging. Besonders schön war für uns, dass die Kinder gruppenweise zu uns auf die Bühne kamen und wir so Zeit hatten, nach dem Alter zu fragen, jedem einzelnen Kind das Päckchen persönlich zu überreichen und frohe Weihnachten zu wünschen. Gegen 16 Uhr waren wir auch mit diesem Projekt fertig und als die Kinder alle nach Hause ins Warme verschwunden sind, machten wir uns ein weiteres mal auf in die erste der großen Romasiedlungen, die wir Anfang der Woche besucht haben. Auch dort leben einige der Patenkinder, für die wir noch besonders gepackte Patenpakete dabei hatten. Wieder war es bei unserem Besuch bereits dunkel und die Bewohner der Siedlung wissen ja auch, wenn der Kinderzeltbus kommt, dann ist er nicht leer. Schnell haben sich die Leute wieder um uns gesammelt und bevor die Vorgehensweise wirklich klar war, ist die Stimmung plötzlich gekippt. Geistesgegenwärtig hat Matthias die Kamera in Sicherheit gebracht, aber bevor wir uns versahen, waren so viele Hände und Füße um uns herum, dass das ein oder andere Päckchen Beine bekam. Völlig überrumpelt mussten wir den Rückzug antreten und uns selbst in Sicherheit begeben. Passiert ist bis auf ein paar Kratzer niemandem etwas, dennoch wurden wir wieder daran erinnert, dass besonders die Lebensumstände der Roma einen raueren Umgang mit sich bringen, als wir es gewohnt sind. Wortwörtlich um das Überleben kämpfen zu müssen, verändert Menschen durchaus, vor allem wenn Essen und Luxusgüter sich direkt vor der Nase befinden. Auch wenn die Situation unvorhergesehen war und auch uns in dem Moment erschreckt hat, haben wir den Besuch nicht abgebrochen. Mit mehr Unterstützung und in dem ruhigen Umfeld der kleinen Kirche innerhalb der Siedlung, konnten wir gezielt die Patenkinder einladen und ihnen ihre Präsente überreichen. So konnten wir den Tag doch noch positiv abschließen und auch wenn der Vorfall bei uns ein flaues Gefühl im Magen hinterlassen hat, waren es nicht die Kinder, die die Schuld daran tragen und deswegen war es uns wichtig, dass sie auch nicht die Konsequenzen treffen. Es ist leider nicht immer friedlich und sorglos für uns, denn es prallen verschiedene Kulturen und Lebensumstände aufeinander. Erinnert hat es uns wieder daran, wie wichtig es ist, die Kinder zu unterstützen und vorzuleben, wie es auch ohne Aggressivität und Ablehnung gehen kann. Wir gehen zu den Kindern, weil uns jedes einzelne am Herzen liegt und sie es absolut verdient haben, dass man ihnen Freude bereitet. Dennoch merkt man häufig die Frustration, besonders bei jungen Männern. Ohne Perspektive und ohne Unterstützung. Was haben sie eigentlich zu verlieren? Froh sind wir dennoch, dass diese Dinge nur selten passieren. Ein Gespür für die Stimmung und die Leute ist wichtig und das rumänische Team geht mit Erfahrung und Kompetenz voran, weswegen unsere Einsätze hier immer gut begleitet und abgesichert sind. Die Zusammenarbeit hat auch heute wieder sehr gut funktioniert und wir fallen alle müde von den Ereignissen des Tages ins Bett und bereiten uns schon ein bisschen auf den Abschied vor, denn morgen ist schon der letzte Tag vor unserer Abreise! Wir haben viel geschafft bisher und freuen uns auf den Abschluss, der uns morgen erwartet.

Euer Weihnachtspäckchen-Team 2016

 

 

Tourtagebuch Teil 4

Neue Familien und Sorgenkinder, wir kommen wieder!

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Die letzten beiden Tage unseres Aufenthaltes waren für uns größtenteils entspannter. Die aufwändigsten und wichtigsten Programmpunkte konnten wir in einem guten Tempo abhaken und hatten am Tag vor unserer Abfahrt Zeit, Familien zu besuchen, die bisher noch nicht fester Bestandteil der Besuchsplanung waren. Immer wieder treffen wir auf neue bedürftige Familien, die überall verteilt in kleinen Hütten leben und diese Woche zum ersten oder zweiten Mal von uns besucht wurden. Bei einer von uns regelmäßig besuchten Romasiedlung in Sandomenic, die direkt an den Bahngleisen liegt, haben uns bei unserer Verteilaktion Bewohner darauf hingewiesen, dass in der Nähe drei weitere Romafamilien leben, die bisher noch keine Unterstützung erhalten. Bei so viel Zusammenhalt wollten wir es uns natürlich nicht entgehen lassen, auch dort Weihnachtspäckchen und Decken vorbeizubringen. Es war schön, weitere Familien und ihre Kinder kennenzulernen, auch wenn eine Familie einen Todesfall zu beklagen hatte und deswegen die meisten Kinder und Familienmitglieder nicht zuhause, sondern auf der Beerdigung waren. Dennoch haben sich alle über unseren Besuch gefreut und die Kinder hatten allesamt ein breites Grinsen im Gesicht, als sie die Weihnachtspäckchen entgegengenommen und für die Kamera posiert haben. Wir sind rasch weitergezogen und haben noch andere Familien besucht, die zum Teil auch von anderen Organisationen besucht werden und somit Versorgung und Unterstützung nicht vollkommen fremd für sie ist. Diese positiven Eindrücke von mitunter stabil und neu errichteten Häusern wurden dann leider wieder ein wenig getrübt. Letztes Jahr war unserem Weihnachtspäckchenteam eine kleine Gruppe von extrem heruntergekommenen Häusern aufgefallen, bei denen keiner dachte, dass dort noch jemand leben könnte. Letztes Jahr haben sich die Kinderzeltler trotzdem dort hingewagt und drei Familien vorgefunden, die tatsächlich dort hausten. Dieses Jahr haben wir aus der Ferne immer wieder nachgesehen, ob abends Licht zu sehen ist, oder immerhin Rauch der aus den Hütten kommt. Es war kaum ein Lebenszeichen erkennbar, trotzdem sind wir mit allerlei Hilfsgütern beladen noch zu den Hütten gefahren, um uns vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Direkt nach unserer Ankunft kamen uns Frauen und Kinder entgegen, die neugierig über unseren Besuch waren und den Kinderzeltbus noch vom Vorjahr kannten. Wir hatten sowohl Weihnachtspäckchen geladen, als auch warme Kleidung, selbstgestrickte Mützen, Handschuhe, Schals und Socken, sowie Lebensmittelpakete. Nachdem wir die Weihnachtspäckchen an die Kinder verteilt hatten, wurden Socken anprobiert, Mützen aufgesetzt und die Lebensmittel gerecht auf die drei dort lebenden Familien aufgeteilt. In kaum einer anderen Siedlung waren die Zustände so katastrophal. In der ersten Hütte fanden wir nur ein verrauchtes Zimmer mit einem alten Sofa, einem kaputten Tisch und Schrank vor, in der die Kinder mit ihrer Mutter uns empfingen. Die Kinder waren allesamt mit rosa Farbe beschmiert und gesprenkelt, in der Hütte haben wir dann gesehen, dass die Familie renoviert und gerade zuvor die Decke gestrichen hatte. Sie haben sich sehr über die warme Kleidung und Decken gefreut, mehr aber noch über die Lebensmittel. Die Kinder hatten innerhalb kürzester Zeit die Schokolade ausgepackt und standen fröhlich schmatzend neben ihrer Mutter, als diese die weiteren Grundnahrungsmittel verstaute. In der nächsten Hütte war die Situation ähnlich. Ein kaputtes Ofenrohr ragte mitten in den Raum und wir waren fast froh, dass grade nicht geheizt wurde, denn der Rauchabzug bestand nur aus einem kleinen Loch im Dach, durch das eigentlich ein Rohr hätte führen sollen. Die Mutter erklärte, dass sie zwar in der Hütte schlafen, aber so wenig Holz haben, dass sie tagsüber versuchen sich woanders aufzuwärmen. Auch sie wurden mit Kleidung und Lebensmitteln versorgt, bevor es zur letzten Familie weiterging. In dieser Hütte waren die Löcher in den Wänden mit Tüchern abgehängt, aber von einem Ofen fehlte jede Spur. Unvorstellbar, dass dort Menschen leben können, vor allem wenn man die eisigen Witterungsbedingungen berücksichtigt. Wir sind uns nicht sicher, welche der Hütten wirklich dauerhaft bewohnt sind, aber mindestens die Renovierungsarbeiten in der ersten Hütte sprechen dafür, dass es tatsächlich ein fester Wohnsitz sein muss. Die Frauen und Kinder waren uns gegenüber aufgeschlossen und sehr freundlich, sie haben die Hilfsgüter dankend angenommen und wir sind nach einer Weile weitergezogen. Diese Eindrücke stimmen nachdenklich, lassen viele Fragen offen und machen uns auch traurig. Das kunterbunte Kinderzelt ist seit vielen Jahren in verschiedenen Städten tätig, man sieht Veränderungen, einzelne Schicksale, die wir zum guten wenden konnten und positiven Einfluss auf viele Menschen. Dennoch gibt es so viele Familien und Kinder, nach denen niemand schaut, die niemanden um Hilfe bitten können und keinen Zugang zu den grundlegendsten Dingen haben. Kinder, die an einfachen Infektionen sterben, weil sie niemals einen Arzt gesehen haben, die Hunger leiden müssen und frieren. Alles Dinge, die wir zum Glück selbst nie erleben mussten. So schwer dieser Anblick ist und das Wissen darüber mit sich zu tragen, desto größer ist die Motivation hier weiterzumachen.

 

Wir sind zum Glück als Weihnachtspäckchenteam hier nicht ganz alleine. Wir werden von vielen rumänischen Mitarbeitern unterstützt und konnten so auch dieses Jahr wieder viele Dinge umsetzen und Kindern Freude bereiten. Die Weihnachtspäckchen sind ein wundervolles Medium, um den Kindern hier Wertschätzung entgegen zu bringen und ihnen zu zeigen, dass sie alle wichtig und gleichermaßen geliebt sind.

 

Der letzte Abend für uns in Rumänien brachte einen gemütlichen Ausklang mit allen Helfern bei einem gemeinsamen Essen und vielen interessanten Gesprächen mit sich. Wir haben uns sogar alle vorher noch geduscht und die letzten sauberen Sachen angezogen, wodurch der festliche Charakter des Beisammenseins noch unterstrichen wurde und wir uns alle endlich mal wirklich entspannen konnten. So viel haben wir geschafft und so vieles werden wir wieder mit nach Deutschland nehmen, an Eindrücken und Emotionen, die sich gar nicht so einfach in Worte fassen lassen. Wir sind dankbar, dass wir Teil dieses großartigen Projekts sein durften und freuen uns auf viele weitere Jahre, die wir hoffentlich die Weihnachtspäckchen noch nach Rumänien begleiten dürfen.

 

bild-des-tagesDer heutige Tag steht natürlich ganz im Zeichen der Heimreise, weshalb wir mit den Vorbereitungen für die Abfahrt beschäftigt sind. Dennoch gibt es noch einiges zu tun, da heute auch die letzten Weihnachtspäckchen ein neues Zuhause finden sollen. Wir konnten wieder einige neue Kontakte knüpfen und durch das besondere Engagement von Bernd gibts es auch wieder neue Kandidaten für das Sorgenkinderprojekt. Ein kleiner junge mit künstlichem Darmausgang braucht dringend eine weitere ärztliche Betreuung, die die Familie aus eigener Kraft nicht organisieren kann. Während unseres Aufenthaltes wurden viele Gespräche geführt und Kontakte hergestellt, damit dem Kleinen möglichst bald geholfen werden kann. Aus den Fällen der bisherigen Sorgenkinder hat das Kinderzelt nicht nur Erfahrungen sammeln können, sondern auch Kontakte zwischen deutschen und rumänischen Ärzten herstellen können, was für zukünftige Zusammenarbeit eine gute Grundlage bietet. Heute besuchen wir zum Abschluss noch Maria, die eines der bekanntesten Sorgenkinder des Kinderzeltes war. Ihr Leben hat sich über die letzten Jahre sehr verändert. Sie und ihr Bruder leben in einem Haus, welches vom Kinderzelt bereitgestellt wird und außerhalb der Romasiedlungen liegt. Beide sind kerngesund. Maria hat nicht nur überlebt, sie hat es aus der Fabrica (einer Ghettosiedlung) herausgeschafft und die Möglichkeit erkämpft, zur Schule zu gehen und ein Leben zu führen, welches Perspektiven bietet. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die jahrelange Arbeit hier in Rumänien auszahlt und die Leben der Kinder nachhaltig beeinflusst werden können.

 

Mittlerweile sitzen wir wieder in unserem Bus und sind bereits über die Österreichische Grenze gefahren. Wir kommen unserer eigenen Heimat näher, obwohl ein Stück unseres Herzens in Rumänien bleibt. Der Abschied von unseren Freunden und Kollegen in Rumänien war herzlich, aber auch schwer. Viele Kilometer trennen uns voneinander und wir wünschen uns alle, sich bald gesund und munter wiederzusehen. Die Arbeit ist aber noch lange nicht erledigt! In Deutschland geht es neben der gewohnten Planung der Events auch weiter mit der Organisation und Vorbereitung von Projekten in Rumänien. Die Anliegen der Familien, mit denen wir gesprochen haben, werden so gut es geht umgesetzt, Sorgenkind Ciprian wird vor Weihnachten wieder zu seiner Familie zurückkehren und viele weitere Dinge müssen geplant werden, damit auch anderen Kindern die nötige Hilfe zu Teil werden kann. Wir freuen uns darauf, was das nächste Jahr alles bringen wird und fangen innerlich schon an, die Päckchen für das nächste Jahr zu packen. Zu schön ist es einfach, die Freude der Kinder mitzuerleben, die mit keinem Geld der Welt erkauft werden kann. Wie bereits gesagt, dieses Jahr ist alles anders. Bernd hat den neuen Bürgermeister kennengelernt und wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit, mit der wir vielleicht noch mehr in Balan bewegen können, als bisher. Zwar gab es keinen richtigen Weihnachtsmarkt, so wie wir uns ihn vorstellen, dafür wurden wir aber auch von Seiten der Familien und Kindern mit reichlich Plätzchen und Weihnachtsstimmung versorgt, sowie verschiedenen tollen Aufführungen und traditionellen rumänischen Liedern. Vollkommen unterschiedliche Kulturen und Sprachen sind sich begegnet, dennoch sind wir alle gar nicht so verschieden. Wir haben alle miteinander eine schöne Zeit verbracht und auch ein kleiner negativer Vorfall kann dieses Gefühl nicht trüben. Wir werden die nächsten Wochen sicher noch viel von unserer Reise erzählen und unsere Eindrücke verarbeiten. Jetzt freuen wir uns aber erst einmal darauf, zuhause anzukommen und nach einer heißen Dusche in das eigene Bett fallen zu können. Wir bedanken uns bei den fleißigen Helfern in Rumänien, die uns durch Nacht und Nebel begleitet haben, um unsere Mission zu erfüllen. Ebenso wollen wir uns herzlich bei den Menschen bedanken, die das ganze Jahr über schon in Deutschland mitgearbeitet haben. Die leidenschaftlich gestrickt und Päckchen gepackt haben, sowie jahrelang schon eng mit dem Kinderzelt verbunden sind. Vielen Dank auch an die zahlreichen Sammelstellen, egal ob klein, groß oder riesig, wie zum Beispiel Claudia und Monika die mit ihrem gigantischen Einsatz es mitunter erst möglich machen, dass wir so viele Weihnachtspäckchen mitnehmen und so viel Freude verschenken können. Auch unsere Sponsoren, wie beispielsweise die Metzgerei Robert Müller, tragen als Sponsor und Sammelstelle einen großen Teil bei, die Weihnachtspäckchenaktion aufrecht erhalten zu können. Auch die Firma Anvis Deutschland GmbH aus Steinau hat hinter den Kulissen mitgeholfen, durch die Organisation und Finanzierung der Päckchentransporte nach Rumänien, zusammen mit dem Speditionsunternehmen SC Euroalpin SRL. Zum Schluss möchten wir uns noch alle bei unseren treuen Lesern bedanken. Wir haben viel freundliches Feedback bekommen und zu wissen, dass ihr jeden Tag mit unserer Arbeit mitfiebert, ist ein ganz besonderes Kompliment, was uns noch mehr Freude macht, euch davon zu berichten. Hoffentlich treffen wir uns hier nächstes Jahr wieder! Es ist aber nie zu früh, sich auf die nächste Weihnachtspäckchenaktion einzustimmen.

 

Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Fest wünscht euch das Weihnachtspäckchenteam 2016 vom kunterbunten Kinderzelt

 

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