Danielas Tagebuch, Weihnachtspäckchentour 2011

Home / Tourtagebuch / Danielas Tagebuch, Weihnachtspäckchentour 2011

Tourtagebuch Teil 1: Die Päckchen und wir sind da – fehlt nur noch der Schnee!

Loci, Cleo, Mechthild und BerndUnglaublich ereignisreiche Wochen für das gesamte Kinderzelt-Team und natürlich besonders für Bernd Druschel, liegen hinter uns. Die kleine Maria ist uns allen ans Herz gewachsen und wir haben große Hoffnung, dass wir ein Happy End erleben dürfen.

Doch nun sind wir wohlbehalten in Sandominic, Rumänien angekommen. Wir, das sind: Bernd, Cleo, Laszlo (einer unserer rumänischen Mitarbeiter, der bei der Übersetzung für Maria in Marburg geholfen hatte), Mechthild Schmitt (von der Metzgerei Robert Müller) und ich. Nach 23 Stunden stressfreier Fahrt freuen wir uns nun auf eine ausreichende Mütze Schlaf, um uns morgen an die schönste Kinderzelt-Arbeit des ganzen Jahres zu machen! Schließlich warten über 4.100 Päckchen darauf, ihren eigentlichen Sinn zu erfüllen: Den Kindern von Balan und in den Romasiedlungen Gheorghenis eine Weihnachtsfreude zu bereiten.

Dafür haben sich in den letzten Wochen so viele Helfer engagiert: fast 100 Sammelstellen und alle Filialen der Metzgerei Robert Müller haben sich in diesem Jahr beteiligt, so dass wir unser bisher bestes Weihnachtspäckchen-Ergebnis erreichen konnten (ohne die Sonderaktion mit DHL). Herzlichen Dank!

Tourtagebuch Teil 2: gut voran gekommen

SONY DSCEs ist schon ein toller Anblick, wenn 1.500 Päckchen eine glänzend-bunte Wand bilden! Davor war allerdings etwas Fleißarbeit notwendig, galt es doch die Päckchen aus den Transportkartons zu ‚befreien‘ und altersgemäß aufzusetzen.

Ein Problem stellte allerdings der riesige Berg aus den großen Säcken mit Decken (bei uns: Koltern) dar, denn die konnten nicht in der Turnhalle bleiben. Da kam uns aber der Schulschluss zugute und die großen Jungs, die neugierige Blicke in die Turnhalle warfen. Ich habe sie kurzerhand gefragt, ob sie helfen möchten, die Säcke nach oben zu tragen und was soll ich sagen – sie haben einen super Job gemacht und in kürzester Zeit hatten wir ein Problem weniger! Natürlich gab’s als Dankeschön ein Päckchen Kaugummi und die vom SV Höf und Haid gespendeten Fußbälle, doch wichtiger ist es mir, sie in unsere Arbeit einzubinden und ihnen zu erklären, wer wir sind und was wir machen!

Begonnen haben wir den Tag, aber mit einem Besuch in unserem Kindergarten ‘Kindernestchen’. Da hat sich ja einiges seit meinem letzten Besuch im August getan: Wir haben jetzt eine neue Gruppe für Krippenkinder im Alter von ein bis drei Jahren! Und die hat ein ganz besonderes Maskottchen: Lillebi, den Mäusejungen aus dem Hause Steinbeck. Es war die helle Freude unsere beiden Erzieherinnen mit den Kleinen zu sehen. Sie haben gemeinsam Weihnachtslieder gesungen und später haben sie Murmelbilder (ist zu ‚kompliziert‘ zu erklären ;-) gemacht – den Kindern hat es sichtlich Freude bereitet! In der Bärengruppe hat es einen richtigen ‚Generationswechsel‘ gegeben, denn nach den Sommerferien sind viele neue Kinder hinzu gekommen. Cleo und ich waren gleich mittendrin, haben gemalt, Geschichte gehört und beim Singkreis mitgemacht – auch große Mädchen müssen spielen ;-)

So, nun geht’s los – heute bekommen wir von einem befreundeten Hilfswerk nochmal 500 Päckchen gebracht. Somit können wir sicher unser Versprechen einlösen und allen Kindern in Balan und den Romasiedlungen von Gheorgheni ein Päckchen überreichen!

Tourtagebuch Teil 3: Ein ganz normaler Tag in Balan

SONY DSCKennt Ihr das? Man räumt die Wohnung auf und ist eigentlich nur damit beschäftigt, die Sachen von einer Ecke zur anderen zu räumen.. So ähnlich ging es uns heute: wir haben Hilfsgüter ins Lager gebracht, Patenpakete sortiert, Neuware umgeladen und noch so einiges mehr, ohne dass man ein großes Ergebnis gesehen hätte. Wenn man das nicht mal vor Ort miterlebt hat – man kann sich kaum vorstellen, durch wie viele Hände ein Kleidersack, Weihnachtspäckchen oder Wolldecke gehen muss, bis diese hier in Rumänien in die richtigen Hände gelangen.

Nachmittags haben wir damit begonnen, die von Deutschland mitgebrachten Pakete an unsere Patenkinder zu verteilen. Das hat wieder total Spaß gemacht, besonders die Entwicklung der Kinder zu sehen. Da ist die schüchterne Florentina, letztes Jahr hat sie mich nicht mal angeschaut, als ich ihr das Päckchen überreicht habe, geschweige denn, dass sie sich fotografieren ließ. Darüber haben wir uns diesmal nur amüsiert und dann ein Foto für die Paten gemacht.

Ansonsten ist die Stimmung super: wir haben tolle Unterstützung von unserem rumänischen Team und es herrscht ein geradezu babylonisches Sprachengewirr aus Rumänisch, Ungarisch, Englisch, Deutsch und Fliedner Platt ;-) Ab morgen werden Weihnachtspäckchen an Balans Schulkinder verteilt, dann kommt so richtig Stimmung und Freude auf!

Tourtagebuch Teil 4: 1.000 mal Weihnachtsfreude

SONY DSCGestern war es endlich soweit ! Das gespannte Warten der Kinder von Balan hatte ein Ende. Seit drei Tagen kamen immer wieder Kinder und haben versucht einen neugierigen Blick in die Turnhalle zu werfen, wo wir die Päckchen zu einer großen Wand aufgesetzt haben. Man konnte ihre Vorfreude spüren und auch wir wollten nun endlich loslegen!

Uns ist schon bewusst, dass wir hier einen wunderschönen Auftrag erfüllen, um den uns viele der fleißigen Päckchenpacker in Deutschland beneiden. Wie oft habe ich schon gehört: „Ich würde so gerne sehen, wer mein Päckchen bekommt und wie sich das Kind freut.“ So dürfen wir das stellvertretend tun und ich kann euch versichern, wir haben es mit Freude im Herzen getan! Bernd hat die Kinder herzlich begrüßt und ihnen in einer kleinen Andacht die Weihnachtsbotschaft auf sehr kindgerechte Weise nahe gebracht. Natürlich verschenken wir mit den Päckchen auch die Freude über die Geburt Jesu Christi.

Zuerst waren die Kindergartenkinder von Balan dran. Es gibt hier zwei städtische Kindergärten und unser ‚Kindernestchen‘. Ich finde es immer besonders süß, wie schüchtern die Allerkleinsten in die Turnhalle kommen, meist Hand in Hand und wie die Augen immer leuchtender werden, wenn sie vor den Päckchen stehen. Natürlich gab es in der großen Halle Unruhe und ein paar Kinder haben geweint. Doch als die vier Mädchen aus Balan zu singen begannen, wurde es andächtig still. Sie sangen rumänische Weihnachtslieder für uns, die eine wunderschöne, leicht melancholische Melodie haben. Später, bei den beiden Feiern für die Schulkinder von Balan, stimmten alle beim Refrain mit ein und alle Kinder wurden zu einem großen Chor – Gänsehaut pur!

Ordentlich aufgereiht standen die Kleinen da und jedes Kind bekam einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit, ein Lächeln, ein herzliches ‚Craicun Fericit‘ (Frohe Weihnachten) und natürlich das Päckchen. Die Reaktionen waren so unterschiedlich wie die Kinder selbst: schüchtern, aufgekratzt, freudig oder einfach nur happy! Doch nicht nur kleine Kinder können sich freuen – selbst die halbstarken Jungs nehmen ihr Päckchen mit einem breiten Grinsen entgegen und bedanken sich meist artig mit „Thank you!“.

Solltet ihr euch wundern, wie gut gekleidet ein Großteil der Kinder ist, dann liegt das daran, dass es wie ein Feiertag für viele ist und die Kinder besonders herausgeputzt werden. Etwas klarer wird es, wenn ihr euch die beiden Fotos von Claudia und Andrea Otvos anschaut – hübsche liebenswerte Mädels, die in einer winzigen verdreckten Wohnung gemeinsam mit vier kleineren Geschwistern und ihren Eltern leben (das siebte Kind ist unterwegs).

Tourtagebuch Teil 5: Mützen, Pakete, Decken

SONY DSCIch glaube es sind jetzt schon zwei Jahre her, seit wir bei unserem ersten Kinderzelt-Teamwochenende unser Motto ‚Freude bereiten – Not begegnen‘ gemeinsam entwickelt haben. Wenn ich nun den gestrigen Tag beschreiben sollte, so würden mir diese vier Worte schon ausreichen und alles wäre gesagt. Aber ich will mal nicht so sein und ein paar Kleinigkeiten herauspicken ;-)

Mechthild und Cleo haben sich gestern morgen erstmal um Schüler aus Balan gekümmert. Dank einer großzügigen Spende der Fa. Döll (u.a. Dolli Müzten) konnten sie vielen Kindern eine Mütze, Stirnband oder Schal schenken! Die relativ milden Temperaturen die hier derzeit herrschen, dürfen uns nicht vergessen lassen, dass die Winter in dieser Region sehr hart und lang sind.

Mit einem voll bepackten Bus machten wir uns dann auf nach Gheorgheni. Die Stadt liegt ca. 30 km entfernt. Hier betreuen wir drei Roma-Siedlungen – unterstützen sie mit Hilfsgütern wie Kleidung, Geschirr und Matratzen. Darüber hinaus sind etwa 40 Kinder an Paten in Deutschland vermittelt und erhalten dadurch jeden Monat in großes Essenspaket, dass der gesamten Familie zu Gute kommt. Viele Paten lassen es sich nicht nehmen und schicken an Weihnachten zusätzlich ein Paket mit dem Weihnachtspäckchentransport nach Rumänien.

Das sind die Momente, wo wir einen Eindruck von den Lebensumständen der Familien hier bekommen. Und es gibt so einiges, was uns noch lange beschäftigen wird. Die kleine / große Elsa zum Beispiel. Sie wohnt mit ihren fünf Geschwistern, ihren Eltern und einer Verwandten mit einem ca. 2 Wochen alten Baby in einem winzigen Schuppen neben den Bahngleisen. Als wir sie angetroffen haben, hat sie mal wieder auf ihren kleinen Bruder aufgepasst. Sie kümmert sich rührend, um ihre Geschwister und wirkt wie eine kleine Erwachsene – von erlebter Kindheit keine Spur.

Endlich konnte Bernd die ersten Wolldecken verteilen. Das Projekt ‚Warme Decken für eiskalte Nächte‘ war seine Idee und ist ein voller Erfolg geworden. Binnen 5 Monaten haben wir über 1.500 Decken gespendet bekommen. So können wir nun sehr viele Familien mit dieser ‚Lebensversicherung‘ ausstatten. Wie gesagt, der Winter wird sicher noch kommen und damit strenger wochenlanger Frost. Können da die Kindern nicht ausreichend vor der Kälte geschützt werden, ist ihr Leben in Gefahr. Lungenentzündung oder Unterkühlung haben schon viele Kinder den Winter nicht überleben lassen.

Tourtagebuch Teil 6: Kurzfassung

3-DSC_0496In der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben wir Verstärkung aus Deutschland bekommen: Peter Schmitt (mit Tochter Maura) und Matthias Donath von der Metzgerei Robert Müller, sowie Lena Krah sind zu unserem Team dazu gestoßen und haben uns die letzten beiden Tage bei der Päckchenverteilung tatkräftig unterstützt.

Zum Tagebuch schreiben blieb leider keine Zeit bzw. keine ‚Konzentrationsreserven‘ mehr übrig und manchmal sagen Bilder bekanntlich mehr als Worte.

Wir sitzen grade beim Frühstück und wollen in einer Stunde aufbrechen. Auf die Frage, wie man die letzten Tagen beschreiben sollte, haben Maura, Lena und Matthias einstimmig geantwortet: ‚Prägend‘. Natürlich kann man sagen: ‚es hat Spaß gemacht‘, ‚wir haben Freude bereitet‘, ‚wir haben Kinderaugen zum Strahlen gebracht‘ – aber wir haben natürlich auch viel Elend gesehen: total verdreckte, verrotzte Kinder, verwahrlosten Wohnungen, Bretterhütten, die als Wohnung für 10köpfige Familien dienen, … Doch wir sehen auch die Veränderungen/Verbesserungen in den Lebensumständen, besonders bei den Familien, die wir im Patenschaftsprogramm betreuen können.

Tourtagebuch Teil 7: Zuhause angekommen

Eine unglaublich schöne Woche liegt hinter mir und dem ganzen Team! Aber nun genieße ich es hier in meiner Küche zu sitzen und in Ruhe das letzte Tourtagebuch zu schreiben, eine Tasse Tee steht für mich bereit und die Dusche wartet sehnsüchtig auf mich ;-)

Doch bevor ich mich für dieses Mal endgültig verabschiede, habe ich noch eine kleine Geschichte für Euch. Ich bin zwar kein Fan von E-Mails mit Witzchen, Filmen oder ähnlichem, aber ich wollte diese Geschichte sowieso meiner Schwägerin mailen und da kann ich sie auch gleich an Euch weiterleiten:

Das Tagesgeschenk

Stell dir vor, jeden Morgen stellt dir eine Bank 86.400 Euro auf deinem Konto zur Verfügung. Du kannst den gesamten Betrag an einem Tag ausgeben. Allerdings kannst du nichts sparen, was du nicht ausgegeben hast, verfällt. Aber jeden Morgen, wenn du erwachst, eröffnet dir die Bank ein neues Konto mit neuen 86.400 Euro für den kommenden Tag. Außerdem kann die Bank das Konto jederzeit ohne Vorwarnung schließen. Sie kann sagen: Das Spiel ist aus.
Was würdest du tun?
Dieses Spiel ist Realität: Jeder von uns hat so eine Bank: die Zeit. Jeden Morgen bekommen wir 86.400 Sekunden Leben für den Tag geschenkt. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, für immer verloren. Aber jeden Morgen beginnt sich das Konto neu zu füllen.
Was also machst du mit deinen täglichen 86.400 Sekunden? (Marc Levy)

Liebe Grüße – bis zum nächsten Mal!
Daniela

Daniela Möller
Daniela Möller
Daniela Möller setzt sich ehrenamtlich in den Bereichen der Event-Organisation ein und leitet die jährliche Weihnachtspäckchenaktionen.
Empfohlene Artikel

Schreibe einen Kommentar